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Klugscheisser No. 47

Written by on 22/05/2026

Es gibt diese wenigen und magischen Tage in der Musikgeschichte, in denen sich Wege kreuzen, die eigentlich zwangsläufig zu etwas Epochalem führen müssten. Aerosmith und das Hip Hop-Duo RUN DMC zum Beispiel. Oder Als Neil Young mitte der 90er mit Pearl Jam auf der Bühne stand. Ebenso das Duett von Freddie Mercury und David Bowie beim Hit „Under Pressure“. Wer könnte diese legendäre Nummer jemals vergessen. Doch es wäre fast noch genialer geworden. Und zwar mit einer Kollaboration des Queen-Frontmanns und keinem geringeren als Michael Jackson.

Anfang der 1980er-Jahre war dieser unfassbare Moment greifbar nahe. Freddie Mercury und Michael Jackson arbeiteten einst tatsächlich gemeinsam im Studio. Dass ausgerechnet diese Zusammenarbeit nie in die Öffentlichkeit rausgetragen wurde, gehört zu den großen „Was-wäre-wenns“ der Popkultur. Wäre es der größte Song allerzeiten gewesen, der unsere Leben und den Lauf des Universums für immer verändert hätte? Oder einfach nur bizarrer Pop-Schrott. Wir werden es niemals erfahren, aber die Geschichte dahinter, warum es nie dazu kam, ist eine der ungewöhnlichsten Anekdoten der Musikgeschichte.

Mercury und Jackson trafen sich 1983 in Kalifornien, in Jacksons Studio in Encino. Beide standen auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren – Queen nach Hot Space, Jackson mitten im Siegeszug von Thriller. Das die beiden Musiker mindestens sechs Stunden zusammen im Studio verbrachten ist belegt und es entstanden Demos zu mindestens drei Songs, darunter „State of Shock“ (später von Jackson mit Mick Jagger rausgehauen), „Victory“ sowie „There Must Be More to Life Than This“. Letzterer Titel erschien 1985 auf Mercurys Soloalbum „Mr. Bad Guy“.

Warum also scheiterte das Projekt? Und genau hier beginnt der Teil, der nicht ganz belegt ist, aber umso genialer klingt. Und wie so oft gibt es zwei Versionen und beide sind historisch einzuordnen. Die nüchterne Erklärung verweist auf Terminprobleme und kreative Reibung. Zwei Ausnahmekünstler mit randvollem Kalender, unterschiedlichen Produktionsgewohnheiten und extrem hohen Ansprüchen. In wenigen Stunden entsteht nicht automatisch ein Meisterwerk, sondern schlicht und einfach gar nichts.

Doch es gibt eine zweite, deutlich plastischere Story, die aus dem direkten Umfeld Mercurys stammt. Demnach griff Freddie während der Sessions zum Telefon und rief seinen Manager Jim Beach an mit der Bitte, man möge ihn „herausholen“, er nehme gerade „mit einem Lama“ auf. Diese Anekdote wurde u. a. von BBC-Moderator und Mercury-Freund David Wigg öffentlich erzählt und später von Beach sinngemäß bestätigt: Freddie sei von der Studioatmosphäre zunehmend genervt gewesen.

Das Michael Jackson exotische Tiere hielt, ist wohl jedem Musikfan bekannt. Auch die südamerikanischen Spucker gehörten zeitweise dazu. Ob das Lama tatsächlich im Aufnahmeraum stand, das ist leider bisher nicht bekannt. Entscheidend ist die historische Einordnung, denn es prallten zwei künstlerische Welten aufeinander. Mercury, fokussiert, präzise, studiostreng. Jackson, kreativ, verspielt und naja, irgendwie komisch.

So wurde das Lama zum Symbol eines Bruchs, nicht zu dessen alleiniger Ursache. Die Zusammenarbeit scheiterte an Unterschieden im Arbeitsstil, nicht an mangelnder Vision. Gerade deshalb ist die Geschichte mehr als eine Kuriosität. Ein Nachmittag im Studio, drei unvollendete Songs – und ein Lama, das zur Ikone eines verpassten Kapitels der Musikgeschichte wurde. Ein Tag in der Musikgeschichte, an dem ein Rotzlöffel aus den Anden die größte Musik-Kollaboration der 1980er verhinderte. Oder vielleicht auch nicht.


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