Klugscheisser No. 56
Written by admin on 24/10/2026
Musikkassetten gehörten seit Jahrzehnten neben Schallplatten und CDs zu den wichtigsten Tonträgern. Ausgestorben ist die Plastikschachtel für das Tonband aber noch lange nicht. Hörspiele wie „Die drei ???“, „Benjamin Blümchen“ oder „Bibi Blocksberg“ werden nach wie vor von der Generation „Kassettenkinder“ ins Deck gesteckt. Auch Bands wie The Weeknd oder Justin Bieber tragen zu einem kleinen Comeback bei.

Entwickelt wurde die Musikkassette für den Massenmarkt in den 1960er-Jahren von der niederländischen Firma Philips. Sie kam 1965 als Mono- und 1967 als Stereo-Version auf den Markt. Gegenüber der Schallplatte, dem damals noch mit Abstand wichtigsten Tonträger waren die Handlichkeit, Mobilität, Robustheit und ein geringer Preis im Vorteil. Vollkommen neu war außerdem die Möglichkeit, selbst seinen eigenen Musikmix auf Band aufzunehmen. Der Musikindustrie bereitete das damals allerdings so manche Kopfschmerzen.
Der Durchbruch gelang der Musikkassette letztendlich in den 1970ern und bis weit in die 1990er-Jahre war sie weit verbreitet und der Musikfan hatte seinen Spaß. Praktisch jede Musikanlage verfügte damals über ein oder sogar zwei Kassettendecks. In den 1980ern lagen die Verkaufszahlen von Musik-Tapes weit über denen von Schallplatten. Die Musikkassette lernte durch den Walkman im wahrsten Wortsinn das Laufen. Kassettenrekorder werden tatsächlich auch heute noch produziert.
Die Klangqualität der Bänder hat sich während der Jahre enorm verbessert. Entscheidend war vor allem die Einführung des Chrom-Dioxid-Bandes durch BASF, das beispielsweise den Frequenzbereich des Magnetbands erweiterte. Die Entwicklung von Dolby hat erst mit dem Magnettonband so richtig an Fahrt aufgenommen. Dolbys erste Technologien Dolby A und B waren Verfahren zur Rauschunterdrückung und haben maßgeblichen zu einer besseren Klangqualität beigetragen.
Auch wenn durch diese Technologien eine Kassette direkt nach der Aufnahme eine annehmbare Klangqualität bieten, kann diese im Laufe der Zeit nachlassen, denn die Bänder werden mechanisch beansprucht. Wie lange die Bänder halten, hängt davon ab, wie häufig sie abgespielt werden. Natürlich ist es wichtig, dass die Kassetten nicht in staubiger, heißer und/oder feuchter Umgebung gelagert werden. Hin und wieder sollten sie abgespielt werden, weil das Band sonst verkleben könnte. In der Regel haben Musikkassetten auch bei gewissenhafter Pflege nach spätestens 40 Jahren ausgespielt.
Aber jetzt zu einer wirklich wichtigen Frage. Könnte die Kassette mal wieder in Mode kommen?
Der Platz auf dem Band ist begrenzt, statt eines schnellen Tastendrucks ist ein Vor- oder Zurückspulen notwendig, um ein bestimmtes Lied wiederzugeben, und auch Bandsalat kann immer wieder mal auftreten. Ist die Musikkassette also gegenüber der Konkurrenz in Form von CD und digitalen Audioformaten chancenlos? Nicht ganz. Seit dem Comeback der Vinyl-Schallplatte wissen alle, dass totgesagte Tonträger länger leben können als vorher angenommen.
Tatsächlich war aus der Musikbranche in den vergangenen Jahren zu hören, dass mit der Musikkassette noch zu rechnen sei. Das Magazin Billboard meldete 2017, dass in den USA die Verkaufszahlen 2016 um 74 Prozent angestiegen seien, wobei allerdings die absoluten Zahlen weniger eindrucksvoll sind: Es wurden 129.000 Musikkassetten verkauft statt der 74.000 im Vorjahr. Zum Vergleich: 2016 wanderten 13,1 Millionen Vinyl-Alben in den USA über die Theken der Plattenläden. Bemerkenswert ist aber, dass ganz große Pop-Stars wie The Weeknd, Justin Bieber und Kanye West ihre Songs unter anderem wieder auf Tape veröffentlichen.