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Klugscheisser No. 54

Written by on 12/09/2026

Am 2. Mai 2003 zeigten sich die Dixie Chicks nackt auf dem Cover der Zeitschrift „Entertainment Weekly“. Auf ihren Körpern stehen Slogans wie „Verräter“, „Saddams Engel“, aber auch „Stolze Amerikaner“. Warum?

In der Country-Szene der USA kann man vieles bringen. Z. B. den Cowboyhut falsch aufsetzen, das Frühstücksbier verschütten oder seinen Pickup-Truck heiraten. Und im Allgemeinen sind die Fans so entspannt, beide Musikrichtungen zu akzeptieren. Country und Western. Aber was wirlich absolut nicht geht, ist schlecht über das Land, die Flagge oder den Präsidenten zu sprechen. Aber genau das haben die Dixie Chicks getan.

Die Welt steht kurz vor dem Irak-Krieg, als die drei Texanerinnen am 10. März 2003 in London auftraten. Während dieses Konzertes kündigt Natalie Maines den Song „Travelin’ Soldier“ mit folgender Aussage an: „Wir wollen keinen Krieg, und wir schämen uns dafür, dass der Präsident aus Texas stammt.“ Der britische Guardian erwähnt diesen Satz in seinem Konzertbericht, was dann sofort von den US-Medien aufgegriffen wurde. In der augenscheinlich bis zum übergeben konservativen Country-Szene der USA kommt diese legitime und letztendlich harmlose Meinungsäußerung nicht wirklich gut an.

Erstens sei das unpatriotisch, zweitens soll man in einem fremden Land nicht schlecht über den Präsidenten sprechen. Die aktuelle Dixie-Single Landslide (ein Fleetwood-Mac-Cover) stürzt darauf in den Charts völlig ab, Sponsorfirmen erhalten wütende Nachrichten, und zu einer ganz charmanten Aktion dürfen (Ex-)Fans ihre CDs mitbringen, damit sie von einem Bulldozer überfahren werden. Eine Radiostation in Colorado feuert sogar zwei DJs, weil sie Musik der Dixie Chicks spielen. Sowohl Madonna als auch Bruce Springsteen weisen in der Folge daraufhin, dass natürlich das Recht auf Meinungsfreiheit gelte, auch bei Kritik am Präsidenten.

Die Stimmung der Szene gegenüber dem Trio gestaltet sich trotzdem als feindselig, und auch die finanziellen Einbußen sind heftig. Doch der Spaß hört komplett auf, als die Dixie Chicks zu ihrer am 1. Mai 2003 startenden Top Of The World-Tour Todesdrohungen erhalten. Die Kritiken zu den Konzerten jedoch vielen verhältnismäßig positiv aus. Als Maines diejenigen im Publikum zu Buhrufen auffordert, die eigens dazu gekommen seien, erklingt vor allem Beifall. Ein paar Wochen später, am 6. Juli, gibt es in Dallas allerdings eine so spezifische Drohung, dass Natalie Maines durchgängig von der Polizei eskortiert wird. Eine Form von Cancel Culture also, bevor der Begriff überhaupt die Runde machte.

Während alledem lassen sich die Dixie Chicks nicht von ihrer Meinung abbringen. Sie entschuldigen sich zwar für die Respektlosigkeit gegenüber dem Amt des Präsidenten und bezeichnen sich als stolze Amerikanerinnen, doch bei ihrem pazifistischen Standpunkt bleiben sie und starten am 24. April sogar eine Kampagne, um diesen zu erklären. Am 2. Mai 2003 posieren sie schließlich entblößt auf dem Cover von Entertainment Weekly, ihre Körper bedeckt mit Slogans wie „Traitors“, „Saddam’s Angels“, „Dixie Sluts“, „Proud Americans“, „Hero“, „Free Speech“ und „Brave“. Alles authentische Rückmeldungen, positiv und negativ, die sie als Reaktion auf ihre Äußerung erhalten hatten.


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